
✨ Neulich saß ich abends auf dem Sofa 🛋️ und habe in der ARD die Dokumentation „Waren die 80er Jahre besser?“ gesehen. Schon nach wenigen Minuten merkte ich, wie sich etwas in mir öffnete. Die Musik, die Bilder, die Mode – all das war nicht einfach nur ein Jahrzehnt. Es war meine Jugend.
Plötzlich war sie wieder da: diese Leichtigkeit. Dieses Gefühl, dass noch alles vor mir liegt. Dass das Leben weit ist. Unkomplizierter. Unbeschwerter.
Aber während der Sendung kam ein zweiter Gedanke:
War es wirklich besser? Oder fühlt es sich nur so an, weil ich damals jünger war?
Wie meine Erinnerungen mich manchmal täuschen
Ich weiß heute: Mein Gedächtnis ist kein objektives Archiv. Es filtert. Es glättet. Es hebt die schönen Momente hervor und lässt die schwierigen leiser werden. Wenn ich an die 80er denke, erinnere ich mich nicht nur an Musik und Mode. Ich erinnere mich an mich selbst. An mein jüngeres Ich. An mein Lebensgefühl. Und natürlich fühlt sich das leichter an als mein heutiger Alltag mit Verantwortung, Verpflichtungen und einem ganz anderen Blick auf die Welt.
Wenn ich ehrlich bin: Es war nicht alles besser
Gesellschaftlich war vieles deutlich schwieriger:
- Frauen hatten weniger Rechte und Möglichkeiten.
- Ein Kita Platz zu finden, war deutlich schwieriger, vor allem für unter Dreijährige
- Menschen mit Migrationsgeschichte waren kaum sichtbar.
- Für die LGBTQ+-Community war das Leben oft von Angst und Diskriminierung geprägt.
- Und über psychische Belastungen sprach man so gut wie nicht.
Und auch ökologisch war die Situation alles andere als idyllisch.
Das Waldsterben war eines der größten Themen. Smog durch Kohlekraftwerke, dichte Rauchwolken🌫️ am Himmel und Autos 🚘 ohne Katalysator – die Luft war spürbar schlechter. Ich hatte auf meinem Auto den Aufkleber: „Ich fahre 100 km dem Wald zuliebe.“
Atemwegserkrankungen bei Kindern, etwa Krupp-Husten, traten häufiger auf. Das Ozonloch machte weltweit Angst. Die Vorstellung, dass unsere schützende Ozonschicht beschädigt war, war beunruhigend.
Und doch zeigt gerade dieses Beispiel: Durch internationale Abkommen und gemeinsames Handeln konnte sich die Ozonschicht in großen Teilen wieder erholen.
Viele Wälder haben sich stabilisiert, die Luft ist sauberer geworden. Gleichzeitig stehen unsere Wälder heute unter neuen Bedrohungen: Klimawandel, Dürre, Stürme, Borkenkäfer. Die Probleme sind heute anders. Vielleicht komplexer.
Aber früher waren sie nicht kleiner.
Was ich wirklich vermisse
Wenn ich ganz ehrlich mit mir bin, vermisse ich nicht die 80er.
Ich vermisse:
- mein damaliges Körpergefühl
- meine Unbeschwertheit
- weniger Verantwortung
- weniger Dauererreichbarkeit
- das Gefühl, dass Zeit unendlich ist
Ich vermisse mein jüngeres Ich.
Und das ist etwas anderes, als eine Epoche zu vermissen.
Wie Yoga 🧘🏻♀️mir wirklich hilft
Yoga ist für mich kein Ausgleichssport. Es ist auch kein nostalgischer Rückzugsort. Es ist ein Raum, in dem ich mir selbst begegne – so wie ich heute bin.
Wenn ich auf meiner Matte stehe, spüre ich zuerst oft das Gegenteil von Leichtigkeit: Verspannungen, Müdigkeit, vielleicht auch innere Unruhe. Mein Körper ist nicht mehr zwanzig. Und genau das zeigt er mir.
Früher hätte ich das vielleicht bewertet. Heute versuche ich, es anzunehmen.
In den Asanas spüre ich meine Kraft – aber auch meine Grenzen. Ich merke, dass mein Körper sich verändert hat. Und gleichzeitig entdecke ich etwas Neues: eine andere Qualität. Mehr Bewusstsein. Mehr Feinheit. Mehr Achtsamkeit.
Im Pranayama, im bewussten Atmen, wird es besonders deutlich. Der Atem holt mich zurück. Wenn ich langsam ein- und ausatme, beruhigt sich etwas in mir. Gedanken an „früher“ oder Sorgen über „morgen“ verlieren an Lautstärke. Ich bin einfach hier. Mit jedem Atemzug.
Manchmal kommen während der Meditation Erinnerungen hoch. Bilder von früher. Gefühle. Und ich beobachte sie. Ich halte sie nicht fest. Ich schiebe sie nicht weg. Ich lasse sie durchziehen wie Wolken.
Yoga lehrt mich etwas sehr Wesentliches:
Nicht anhaften.
Nicht an der Vorstellung, dass mein Körper früher leistungsfähiger war.
Nicht an der Idee, dass früher alles leichter war.
Nicht an dem Wunsch, Zeit zurückdrehen zu können.
Stattdessen lerne ich, die Leichtigkeit im Jetzt zu entdecken. Das klappt natürlich nicht immer, aber immer öfter.
Sie fühlt sich vielleicht anders an als mit zwanzig. Sie ist ruhiger. Tiefer. Weniger euphorisch – aber stabiler.
Ich merke: Leichtigkeit entsteht nicht durch Jugend. Sie entsteht durch innere Weite.
Und diese Weite kann ich üben.
Mein Fazit
Die 80er waren nicht besser.
Sie waren meine Jugend.
Es war eine Zeit mit weniger digitalem Druck –
aber mit mehr Umweltverschmutzung.
Mit weniger Informationsflut –
aber auch mit weniger Offenheit und Gleichberechtigung.
Mit Ozonloch und Waldsterben –
und gleichzeitig mit dem Beweis, dass gemeinsames Handeln Veränderung bewirken kann.
Ich möchte meine Erinnerungen nicht verlieren.
Aber ich möchte auch nicht in ihnen leben.
Ich möchte heute bewusst leben.
Mit klarem Blick.
Mit Verantwortung.
Und mit der Fähigkeit, Leichtigkeit nicht nur zu erinnern –
sondern sie mir im Hier und Jetzt immer wieder neu zu erschaffen.
Und wie geht es dir mit der Leichtigkeit?
Mehr dazu gerne auf meinem Workshop „Positive Aging Yoga“ am 11.April von 13-16 Uhr im YogaBee in München
oder
auf meinem Tagesretreat „Freude im Körper“ für positive Emotionen am wunschschönen Kochelsee am 16. Mai von 11 – 17 Uhr.
Deine
Sabine


